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Der AKW-Sicherheitsmythos in Japan

Warum haben die japanischen Medien ganz anders auf die Vorgänge in Fukushima reagiert als beispielsweise die deutschen Medien? Warum wurde die Situation in Fukushima noch so optimistisch bewertet, obwohl schon drei Kernschmelzen im waren? Ein Grund dafür ist der Mythos um die Sicherheit japanischer Atomkraftwerke.

Es gibt viele Faktoren, die die japanische Berichterstattung zu Fukushima beeinflusst haben: Eine unüberschaubare Lage durch Erdbeben und Tsunami, die Atomlobby, eine überforderte Regierung und ein Stromunternehmen mit Salamitaktik. Zur eher optimistischen Bewertung der Situation in Fukushima in den Medien hat aber sicher auch der Sicherheitsmythos um japanische Atomkraftwerke (原発安全神話) beigetragen.

Tsuda unterscheidet zwischen zwei unterschiedlichen Sicherheitsmythen (21):

  1. Im Fall eines Unfalls sind die Atomkraftwerke sicher, weil es genug Sicherungsmaßnahmen gibt (油断)
  2. Atomkraftwerke sind sicher, eine Unfallgefahr gibt es nicht (虚偽)

Während (1) prinzipiell noch ein Risiko einräumt, verdrängt (2) dies vollständig.

Wie Tsuda zeigt, transportieren die Zeitungen im Fall von Three Miles Island und Tschernobyl diesen Sicherheitsmythos mit folgender Argumentation (28):

  1. Es gibt ausreichende Sicherheitsvorkehrungen in japanischen Atomkraftwerken.
  2. Die Atomunfälle im Ausland – insbesondere in Tschernobyl – sind nicht direkt mit der Situation in japanischen Atomkraftwerken zu vergleichen. die japanische Technik ist hier überlegen, sodass Unfälle in diesem Ausmaß nicht vorkommen können.

Tsuda führt außerdem noch ein paar Umfragewerte dazu an, für wie sicher die Japaner ihre Atomkraftwerke halten und zeigt, dass der Sicherheitsmythos schon vor Fukushima ins Wanken geriet. Die Analyse der Zeitungsberichterstattung beschränkt sich allerdings auf wenige Beispiele, eine großangelegte Untersuchung zur tatsächlichen Diskussion des Sicherheitsmythos in den Zeitungen über die letzten Jahrzehnte und über Fukushima hinaus steht noch aus.

Literatur

Tsuda, Shôtarô (2013). 「原発安全神話」は実在したか?朝日・読売両紙における「虚偽」と「油断」の神話。In: 大震災・原発とメディアの役割。報道・論調の検証と展もも。新聞通信調査会, 21-29.

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Kleine Leseliste zur japanischen Anti-AKW-Bewegung

Wie hat sich die japanische Medienöffentlichkeit nach 3/11 entwickelt? Gab es eine Reaktion auf die Ereignisse in Fukushima und hat sich eine japanische Anti-AKW-Protestbewegung herausgebildet? Wie ist diese strukturiert und wie präsent ist sie in der Öffentlichkeit? Wie nutzen die AKW-Gegner neue Medien, um sihc zu formieren?

Zu diesem Themenkomplex habe ich eine Leseliste zusammengetragen, die ich laufend ergänze.

Asahi Shinbun (2012): 「さようなら原発」大江氏ら大規模集会 東京・明治公園 [Tschüss Atomkraft- Große Versammlung im Meiji-Park, Tôkyô mit Kenzaburo Ôe]

Endô, Kaoru (2012). 福島第一原発事故で社会は変わるのか? [Verändert sich die Gesellschaft durch den Unfall in Fukushima?] In: ders.: メディアは大震災・原発事故をどう話ったか。報道・ネット・ドキュメンタリーを検証する [Wie haben die Medien über das Erdbeben und den Atomunfall berichtet? Eine Untersuchung in den Bereichen: Berichterstattung, Internet, Dokumentationen] Tôkyô Denki University Press, 231-254.

Gebhardt, L. (2013). Der Mut zur Meinung – Eine Miniaturskizze der kritischen Öffentlichkeit. In: Gebhardt, L., & Richter, S. (Hrsg.): Lesebuch Fukushima. Berlin: ebv, 313-325.

Gegenbach, K., Jawinski, F., & Mladovena, Dorothea (2013). Politik, Energie, Kultur in Wechselwirkung – Wie sich Atomkraft in Japan durchsetzte. In: Gebhardt, L., & Richter, S. (Hrsg.): Lesebuch Fukushima. Berlin: ebv, 32-53.

Hasegawa, U. (2012): 再稼働を止めるために. 新しいデモと地元との対話 [Gegen das Wiederanfahren von Atomkraftwerken. Neue Demonstrationsformen und die Interaktion mit den Ortsansässigen.] People`s Plan 58, 40-48.

Hirabayashi, Y. (2012): 反原発デモと若者 [Anti-Atomkraft-Demonstrationen und junge Leute] People`s Plan 58, 65-70.

Honbo, Akira (2012): 原発災害報道にツイッターを活用 – テレビ・ラジオを補う結果 [Die Nutzung von Twitter als Ergänzung zu Fernsehen und Radio bei der Berichterstattung über die Atomkatastrophe]. Shinbunkenkyû 722(9), 28-32.

Itô, Mamoru (2012): テレビは原発事故をどう伝えたのか [Wie hat das Fernsehen über den Atomunfall berichtet?] Tôkyô: Heibonsha.

Leser, J., & Trunk, M. (2013). Radioactivists – Wurzeln und Dynamiken von Protest und Dissidenz in Japan seit Fukushima. In: Gebhardt, L., & Richter, S. (Hrsg.): Lesebuch Fukushima. Berlin: ebv, 337-348.

Leser, Julia (2012): Protest in Japan seit Fukushima. Neue Formen des politischen Engage-ments am Beispiel der Gruppe “Aufstand der Amateure”. München: Grin.

Liskutin, Nicola (2012): Vernetzt euch! Fukushima, neue Medien und die Anti-AKW-Bewegung. In: Richter, Steffi / Gebhardt, Lisette (Hrsg.): Japan nach „Fukushima“.: ein System in der Krise. Leipzig: Universitäts-Verlag.

Metropolitan Coalition against Nukes (2012): 首都圏反原発連合主催のデモ・抗議活動におけるのぼり・旗・プラカードのガイドライン [Demo der Anti-Atomkraft-Koalition des Hauptstadgebietes – Guideline betreffend der Banner, Fahnen und Plakate bei Protestaktionen]

Môri, Takashi (2011), デモの方法論 [Demonstrationsmethoden] In: Twit no Nukes (Hrsg.): デモいこう!声をあげれば世界が変わる。街を歩けば社会がみえる Tôkyô: Kawade shobō shinsha, 31-36.

Richter, S. (2013). Fukushima. Wissen er/fahren: Vor Ort In: Gebhardt, L., & Richter, S. (Hrsg.): Lesebuch Fukushima. Berlin: ebv, 400-422.

Saitô, Harume (2011).「脱原発」の声と運動はどう報道されたのか [Wie wurde über die Anti-AKW-Bewegung berichtet?] In: Maruyama, Shigetake (Hrsg.): これでいいのか福島原発事故報道 [War es so in Ordnung? Berichterstattung über den Atomunfall in Fukushima]. Fôkyô: Akebi Shobô, 128-147.

Singler, A. (2013). Die Wahrheit eines Soloartisten – Der Anti-Atomkraft-Aktivist Yamamoto Tarô. In: Gebhardt, L., & Richter, S. (Hrsg.): Lesebuch Fukushima. Berlin: ebv, 326-331.

Singler, A. (2013). Streifzug durch die japanische Protestszene im Herbst 2012 – Eine Reportage. In: Gebhardt, L., & Richter, S. (Hrsg.): Lesebuch Fukushima. Berlin: ebv, 369-399.

Takenobu, Mieko (2011): 市民メディアに突き動かされたマスメディア。新しい連携さぐるとき [Die durch die Bürgermedien in Bewegung gekommenen Massenmedien. Zeit nach einer neuen Zusammenarbeit zu suchen]. In: People`s Plan 54, 63-67

The Future Times (2012): Twitterから始まったでもTwit no Nukes [Die auf Twitter begonnene Demo „Twit no Nukes“.]

Twit no Nukes (2011): デモいこう!声をあげれば世界が変わる。街を歩けば社会がみえる[Auf zur Demo! Wenn wir die Stimme erheben, verändert sich die Welt. Wenn wir auf die Straße gehen, wird es für die Gesellschaft sichtbar] Tôkyô: Kawade shobō shinsha.

Yamada, Kenta (2013). 原発再稼働の伝え方 [Die Berichterstattung über das Wiederanfahren von AKW Ôi] In: ders. 3・11とメディア。新聞・テレビ・WEBは何をどう伝えたか [3/11 und die Medien: Was haben TV, Zeitungen und Web wie berichtet?] Tôkyô: Transview, 22-31.

Zöllner, Reinhard (2012): “Sayonara Atomkraft”: Bisher größte Anti-Atomkraft-Demonstration in Tokyo.

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Für Buchblogs: Bibliografien zu einem Autor ausgeben

Gestern hatte ich erklärt, wie ihr über eine Schlagwortausgabe in einem Buchblog weitere Bücher eines Autors ausgeben könnt. Die Schlagworte kann man aber noch weiter verwenden, und zwar für eine automatische Bibliografie zum Autor.

Warum die Standardabfrage nicht für Bibliografien gemacht ist

Über die Verschlagwortung einzelner Artikel kann man eigentlich ganz einfach eine Bibliografie erstellen: So tauchen alle Bücher, die ich unter „Haruki Murakami“ verschlagwortet habe, auf einer Seite auf, die das URL-Schema „http://meinedomain.de/?tag=haruki-murakami“ hat. Die Bibliografie generiert sich also automatisch von selbst. Allerdings werden diese Einträge nach Erstellungsdatum geordnet ausgegeben. So kann eine Liste dann beispielsweise so aussehen:

Die Abfrage dazu in tag.php (liegt im Theme-Ordner) sieht dann so aus:

<h2><?php single_tag_title(); ?> </h2>
<?php /* The loop */ ?>
<?php while ( have_posts() ) : the_post(); ?>
<p><a href="<?php the_permalink(); ?>" title="<?php the_title(); ?>"><?php the_title(); ?></a></p>
<?php endwhile; ?>

Ich möchte nun aber noch ein Erscheinungsdatum hinzufügen – schließlich soll es ja eine richtige Bibliografie werden, die einen chronologischen Überblick über das Werk des Autors gibt. Dazu lege ich ein Custom Field „erscheungsjahr“ unter zu jedem Artikel an, den ich mit einem Autorennamen verschlagwortet habe (wie ihr dieses anlegt, hatte ich ebenfalls im letzten Artikel erklärt). Damit das Erscheinungsjahr nun auch angezeigt wird, füge ich innerhalb des Loops eine Zeile hinzu:

<?php echo get_post_meta($post->ID, 'erscheinungsjahr_japan', true); ?>

Nun gibt mir WordPress folgende Liste aus:

Haruki Murakami

2004: After Dark

1988: Tanz mit dem Schafsmann

1987: Naokos Lächeln

Die Liste ist nicht chronologisch geordnet, da WordPress die Artikel nach Erstellungsdatum ausgibt, das heißt After Dark ist der neueste Artikel. Für die Tags möchte ich aber eine chronologische, also hier numerische Ordnung nach dem Custom Field „erscheinungsjahr“. Deshalb muss die Abfrage etwas umgeschrieben werden.

Eine chronologische Bibliografie erstellen

Die Abfrage in tag.php muss also durch folgenden Code ersetzt werden:

<h2><?php single_tag_title(); ?></h2>

<?php if ( tag_description() ) : // Show an optional tag description ?>
<?php echo tag_description(); ?>

<?php endif; ?>

<?php
query_posts( $query_string . '&orderby=meta_value_num&meta_key=erscheinungsjahr_&order=ASC' );
while ( have_posts() ) : the_post(); ?>

<p><?php echo get_post_meta($post->ID, 'erscheinungsjahr_japan', true); ?>: <a href="<?php the_permalink(); ?>" title="<?php the_title(); ?>"><?php the_title(); ?></a></p>

<?php
endwhile;
wp_reset_query();
?> 

Die Anzeige ist nun chronologisch:

Haruki Murakami

1987: Naokos Lächeln

1988: Tanz mit dem Schafsmann

2004: After Dark

Erweiterte Optionen

Wollt ihr noch eine Autorenbiografie hinzufügen, könnt ihr einfach zum Schlagwort eine Beschreibung hinzufügen. Außerdem ist es möglich, Seiten zu bestimmten Autoren beziehungsweise Tags individuell zu gestalten. Kopiert dazu einfach „tag.php“ und benennt sie um ind „tag-schlagwort.php“ beziehungsweise „tag-haruki-murakami.php“. Nun könnt ihr nur für dieses eine Schlagwort ein eigenes Template erstellen!

Wer es noch einmal ausführlich nachlesen möchte:

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Wie schlimm ist die Lage in Fukushima wirklich?

In einem Artikel auf BBC News schrieb Matt McGrath, dass die Lage in Fukushima noch schlimmer ist, als sie von TEPCO und der Regierung dargestellt wird. Auch ohne ein Experte für Atomkraft zu sein, gibt es logische Gründe, die diese Einschätzung sehr wahrscheinlich machen.

Wie vertrauenswürdig ist TEPCO?

Am Anfang steht die Frage, inwiefern man den Aussagen von TEPCO und der Regierung trauen kann. Dass TEPCO nur wenig vertrauenswürdig ist, dürfte inzwischen wohl allen klar sein. Schon vor dem 11. März 2011 gab es eine Reihe von Skandalen. Und auch die Kernschmelzen in Fukushima sind auf Pfusch zurückzuführen: Hätte TEPCO das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi stärker abgesichert wie etwa das weiter nördlich an der Küste gelegene Kernkraftwerk Onagawa von Tôhoku Electric Power, hätte der Unfall nicht so schlimm ausfallen müssen. Dass aufgrund mehrerer großer Tsunami in der Vergangenheit jederzeit wieder ein Tsunami zu erwarten war, war bekannt.

Wie vertrauenswürdig ist die Regierung?

Auch die Regierung hat infolge der Ereignisse um den 11. März an Vertrauen verloren. Zwar kritisierte die Regierung TEPCO immer wieder für ihr Verhalten, allerdings lassen sich schnell auch Kritikpunkte am Verhalten der Regierung finden:

  • verspätete Evakuierungsanweisung [1]
  • keine Freigabe von notwendigen Daten zur Verbreitung von Radioaktivität, obwohl die Regierung über ein Notfall-Vorhersagesystem verfügt („SPEEDI“) [1]
  • zu optimistische Einschätzung der Lage, in Zusammenhang damit Verharmlosung der Gefahr durch radioaktive Strahlung mit der Formel „es gibt keinen direkten Einfluss auf die Gesundheit“ [2]

Dieses Verhalten erklärt sich aus der engen Verknüpfung von Regierung und Atomlobby in Japan. Nach wie vor ist die japanische Regierung pro Atomkraft eingestellt und auch die aktuelle Regierung unter Abe wird von diesem Kurs wohl nicht abweichen.

Wer hat aus Fukushima etwas gelernt?

Dass TEPCO aus Fukushima was die Kommunikationsstrategie angeht wenig gelernt hat, zeigt auch ein recht aktueller Vorfall: So hatte im März 2013 eine Ratte einen Stromausfall in Fukushima Daiichi ausgelöst. TEPCO hatte dies erst mit 3-stündiger Verspätung an die Regierung weitergegeben. Von den drei Websiten der Tageszeitungen Yomiuri Shinbun, Asahi Shinbun und Mainichi Shinbun hob übrigens nur ein Artikel der Asahi Shinbun diese verspätete Meldung an die Regierung hervor.

Das Verhalten von TEPCO und auch das Verhalten der Regierung in der Vergangenheit machen beide wenig vertrauenswürdig. Besonders die „Salami“-Taktik, Informationen Stück für Stück zu veröffentlichen und zunächst optimistisch vom besten Fall auszugehen, war eine Strategie, die TEPCO wohl trotz vieler Entschuldigungen auch heute noch nicht abgelegt hat. Die Regierung überlässt TEPCO trotz allem weiterhin die Arbeiten und Messungen am Atomkraftwerk – darauf ist sie wohl auch angewiesen, denn wer sollte diese Arbeiten sonst machen.

Dass TEPCO erst jetzt ein Leck entdeckt, dass seit über 2 Jahren besteht ist wohl ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Informationspolitik nicht ändern wird. In Verbindung damit, dass Fukushima Daiichi noch längst nicht vollständig unter Kontrolle ist und dass das Problem mit den großen Massen an radioaktivem Kühlwasser, die auf dem Gelände liegen, nicht gelöst ist, ist zu erwarten, dass noch weitere schlechte Nachrichten von TEPCO kommen. Aufgrund des bisherigen Verhaltens von TEPCO ist aber zu erwarten, dass diese nicht dann kommen, wenn das Problem akut ist, sondern wenn es sich nicht weiter verbergen lässt.

Verweise

[1] Hizumi, Kazuo & Ryuichi, Kino (2012). 福島原発事故記者会見。東電・政府は何を隠したのか [Pressekonferenzen zum Atomkraftwerk Fukushima. Was haben TEPCO und die Regierung vertuscht?] Tôkyô: Iawanamishoten.

[2] Itô, Mamoru (2012). レビは原発事故をどう伝えたのか [Wie hat das Fernsehen über den Atomunfall berichtet?] Tôkyô: Heibonsha.

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2 Jahre Fukushima – „原発ゼロ☆大行動“-Demo in Tôkyô

Am 11.03.2013 jährt sich der Atomunfall von Fukushima nun schon zum zweiten Mal. Welche Protestveranstaltungen gibt es dazu in Japan?

Unter dem Motto 原発ゼロ☆大行動 – Große Aktion zum Atomausstieg finden unter der Organisation der Metropolitan Coalition against Nukes, einem Zusammenschluss aus Anti-Atomgruppen des Hauptstadtgebietes – mehrere Protestveranstaltungen rund um die Ministerien und Sitze der Stromkonzerne in Tôkyô statt.

Live bei den Protesten dabei zu sein ist eigentlich ganz einfach, denn das Iwakami Yasumi Independent Web Journal (IWJ) streamt auf 8 Kanälen. Die Kanäle findet ihr direkt auf der Startseite von IWJ, was sie zeigen habe ich aber noch einmal übersetzt (Zeitangaben nach japanischer Zeit):

  • Ch1: Luftaufnahmen der Proteste (ca. 21:00 Uhr)
  • Ch2: Versammlung vor TEPCO und dem METI (13:00 Uhr)
  • Ch3: Proteste vor MEXT und dem Finanzministerium (ca. 15:00 Uhr)
  • Ch4: Protest im Gebiet vor dem Amtssitz des Premiers
  • Ch5: Protest vor dem Parlament und (ca. 17:00 Uhr)
  • Ch6: Protest vor J-Power und dem Außenministerium (15:30 Uhr)
  • Ch7: Demo (keine genauere Beschreibung, 14:00 Uhr)
  • Ch8: Peace on Earth Bühne (12:00 Uhr)

Es ist möglich, bei UStream direkt mit dem Twitter-Account zu kommentieren. Der Tweet erscheint dann auch in der Timeline mit dem Hashtag #iwakamiyasumi und der Sendernummer, also beispielsweise bei Kanal 2 #iwakamiyasumi2.

Für Fotos und kurze Kommentare direkt bei Twitter empfehle ich außerdem folgenden Accounts:

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Japan, das Atomdorf und Ôi

In Japan arbeiten, so könnte man es freundlich ausdrücken, Regierung und Atomwirtschaft eng zusammen. Aber wie sieht das eigentlich konkret aus? Uiko Hasegawa von der NGO e-みらい構想 beschreibt das am Beispiel des Kernkraftwerks Ôi (gegen dessen Wiederanfahren der Reaktoren es im Sommer heftige Proteste gab) genauer.

In der Stadt Ôi wurde nach Hasegawa von Anfang an eine oppositionelle Stimme unterdrückt – durch das richtige Zusammenspiel von Subventionen, Unterdrückung und einem „wirtschaftlichen Effekt“.

1. Subventionen

町の年間予算は約一〇〇億円。このうち役六〇億円が原子力発電所関連交付金で、実に予算全体の六割を占める。(Hasegawa 2012: 45)

60% des Jahresetats der Stadt sind Subventionen in Verbindung mit dem Kernkraftwerk. 60% von 10.000.000.000 Yen. Umgerechnet wären das zwar nur noch rund 85.000.000 Euro, aber immerhin noch eine ordentliche Summe. Eine Quelle für diese Angabe nennt Hasegawa im Text nicht.

2. Wirtschaftlicher Effekt

また、町には家族経営の小さな民宿が多数存在するが、宿泊客はの多くは原子力発電所で働く作業員、また定期検査の時に出稼ぎに来る作業員である。(Hasegawa 2012: 44)

Der wirtschaftliche Effekt für die Bewohner ist natürlich am offensichtlichsten. Es gibt viele Menschen, die im Kernkraftwerk oder Subunternehmedamit verbundenen Unternehmen arbeiten. Die lokale Wirtschaft wiederum profitiert von den vielen Arbeitsstellen. Ein konkretes Beispiel, das Hasegawa nennt, sind die Pensionen, in denen die Wanderarbeiter des Atomkraftwerkes übernachten.

3. Unterdrückung

飯原発三、四号機増設の時は、小浜市民の会が反対デモを行ったのですが、人口八〇〇〇人あまりの小さな旧大飯町に、ジェラルミン(ママ)の盾を持った機動隊が一五〇〇人、機動車が四一数台、制服の警官と和服の公安が合わせて一九〇〇人も押しかけました。

(Nakajima 2012, zit. n. Hasegawa 2012: 45)

Hasegawa greift hier auf die Schilderungen des Priesters Nakajima zurück, der von einer Anti-Atomdemonstration gegen den Bau der Blücke 3 und 4 vor inzwischen rund 40 Jahren berichtet. Nach Nakajimas Erzählungen kam in die Stadt mit damals 8.000 Einwohnern ein Polizeiaufgebot an 1.500 Bereitschaftspolizisten.

Insgesamt drei interessante Fakten, die an der einen oder anderen Stelle noch mit weiteren Quellen ergänzt, belegt und bekräftigt werden könnten. Sicher werde ich hier bei meiner Lektüre in den kommenden Wochen noch mehr dazu finden. Wer jetzt neugierig geworden ist: Zu diesem Themenkomplex hat die der Anti-Atombewegung nahestehende Zeitschrift People`s Plan eine Ausgabe mit dem Themenkomplex Gesellschaft nach 3/11herausgebracht, aus der auch der oben zitierte Aufsatz stammt.

Quellen:

Hasegawa, Uiko (2012): 再稼働を止めるために. 新しいデモと地元との対話. People`s Plan 58, 40-48.
Nakajima, Akira (2012):「原発のある地域から___第1回中島哲演さんに聞いた」. Magazin 9 (25.4.2012)

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Alte Märchen neu illustriert: Hänsel und Gretel

Ich war auf der Suche nach einem Geschenk für einen Deutschlernenden. Was bietet sich da besser an als ein Buch mit weniger Text und mehr Bildern? Ein allzu kindliches Bilderbuch wollte ich aber auch nicht verschenken. Die Ausgabe von Reclam ist da ein toller Kompromiss: Sie bietet ein klassisches, deutsches Märchen in sehr ansprechend aufbereiteter Form.

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Die Illustrationen sind bunt, aber nicht zu kindlich. Ein Großteil des Buches wirkt sogar eher bedrohlich als niedlich. Der Stil des Illustrator Markus Lefrancois ist neu und frisch: Er kombiniert farbig konturierte Aquarelle mit geometrischen Elementen. Eigentlich sind die Geschichten alt und jedem gut bekannt, durch die neuen, frischen Illustrationen macht es aber wieder Spaß, sie erneut zu lesen.

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Zwar konnte ich aus rechtlichen Gründen keine Fotos vom Inneren des Buches machen, wer sich die Illustrationen aber anschauen will, kann dies in dieser umfangreichen Vorschau.

Neben Hänsel und Gretel ist im letzten Jahr noch ein weiteres Märchen,Dornröschen, als illustrierte Ausgabe erschienen. Ich bin gespannt, ob Francois Lefrancois noch weitere Bücher für Reclam illustriert.

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Kenzaburo Ôe, der Mitläufer!

Eigentlich ist die taz ja die Zeitung, der ich am ehesten zutrauen würde, dass sie sich angemessen mit dem Anti-Atomprotest in Japan auseinandersetzt. Während ich aber für eine wissenschaftliche Arbeit recherchiert habe, habe ich aber leider mal wieder ein Haar in der Suppe gefunden:

„Auch Nobelpreisträger Kenzaburo Oe oder der Komponist Ryuichi Sakamoto, der die Melodie für den Film ,Der letzte Kaiser‘ komponierte, schlossen sich der Bewegung an.“ (http://www.taz.de/!96456/)

Kenzaburo Ôe schließt sich der Bewegung an? Eher andersherum, denn Ôe ist schon seit Jahrzehnten ein Gegner der Atomkraft (da war ja auch schon einmal etwas mit Atombomben und so…). Mit Therapiestation hat er zum Beispiel in den 90ern einen dystopischen Roman geschrieben, der das Leben auf einer nach Atomkriegen zerstörten Erde schildert.

Und einen weiteren Beweis, dass Ôe vorher schon aktiv war, habe ich außerdem noch: Schon ein Jahr zuvor, am 19.9.2011, war er bei der Demo im Meiji-Kôen (明治公園) Mitorganisator!

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E-Books zum Anfassen

ebooks

Ich mag die Stadtbücherei Münster nicht nur wegen ihrer guten, aktuellen Buchauswahl, sondern auch, weil sie technisch immer mit den aktuellen Entwicklungen mitgeht.

Sebstausleiheterminals gibt es schon seit Jahren, neben Büchern gibt es ein gut sortiertes Angebot an allen weiteren Medien, also Hörbüchern, CDs und DVDs und Spielen. Auch bei der Onleihe macht die Bücherei mit. Seit neuestem scheint sie diese nun auch aktiv zu fördern, indem sie eBook-Reader zum Anfassen und Ausprobieren anbietet.

Ganz prominent wird für diese “Kennenlern-Ecke” draußen vor der Tür geworben und auch in der Bibliothek weisen Aufsteller auf das neue Angebot hin.

“Wir machen Sie fit in Sachen digitales Lesen”

Die “eBook Lounge” selbst ist futuristisch mit grünem Licht gestaltet, sonst aber etwas kärglich ausgestattet. Natürlich, die Bücher fehlen ja nun! Stattdessen gibt es einen Tisch, Stühle und auf dem Tisch sieben Geräte zum Ausprobieren:

  • Bookeen Cybook Odyssey
  • Kobo Touch
  • Sony PRS-T2
  • TouchMe
  • Trekstor E-Book Player 3.0
  • iPad2
  • Pro-Line Tablet-PC M-728

Praktisch finde ich an dieser Angebotspalette besonders, dass neben den E-Book-Readern auch zwei Tablets zum Vergleichen angeboten werden. Die Frage, vor der ich nämlich stand, war nicht, ob ich mir ein Gerät kaufe, sondern ob es nun ein Reader oder Tablet werden soll.

An die “eBook Lounge” schließt sich direkt ein Informationsstand zur Online-Ausleihe von Büchern an, was natürlich sehr geschickt ist, da der Besucher so auch gleich erfährt, dass man mit den Readern und Tablets dann auch wirklich etwas anfangen und eBooks (ohne zusätzliche Kosten) ganz einfach lesen kann.

Ob es in anderen Büchereien wohl schon ähnliche Projekte gibt?

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Überlegungen zum E-Book / Nachlese zur Buchmesse

Beim Young Professionals Day auf der Frankfurter Buchmesse gab es mehrere Vorträge, die sich mit aktuellen Entwicklungen in der Buchbranche beschäftigen. Besonders interessant war für mich der e-Publishing Workshop von Peter Schmid-Meil (@derlektor).

Auch wenn Schmid-Meils Workshop eigentlich nur Einführungscharakter hatte, hat er doch einige wichtige Punkte treffend, kurz und knapp auf den Punkt gebracht.

„Es gibt keinen Schutz fuer Buecher / E-Books.“

DRM und Co. erschweren das Lesen von E-Books. Noch herrscht bei vielen die Ansicht vor, man müsse die Buecher schützen. Dass jeder Kopierschutz umgangen werden kann und eigentlich alles irgendwo (wenn auch nicht legal) im Internet zu bekommen ist, wird übersehen. Stattdessen machen es die Verlage dem Kunden schwer.

„Apple und Amazon sind erfolgreich, weil sie vom Kunden aus denken.“

Dazu ein Beispiel von mir: Ein Kollege wollte sich neulich ein E-Book auf sein iPad laden. Das ging aber gar nicht so einfach, denn er hatte keine App zum Lesen für das DRM-geschützte Buch. Eine andere Kollegin erklärte ihm, welche Schritte er unternehmen müsste, um das E-Book zu lesen. Er darauf: “Das ist ja, wie wenn ich ein Auto beim Händler kaufe, es dann aber erstmal 3 km schieben muss, um es aufzutanken, damit ich dann endlich losfahren kann.” Ich finde den Vergleich recht treffend.

Es wird nicht vom Kunden gedacht oder wenn, dann von “bösen” Kunden. Kunden, die E-Books zigfach herunterladen und kopieren und umsonst an alle ihre Freunde weitergeben. Schmid-Meil argumentiert so:

„Die Leute, die sich das Buch umsonst herunterladen, würden es nie bezahlen, denen ist es nichts Wert. Wir wollen die Personen als Kunden, die bereit sind, Geld auszugeben.“

Und genau diesen Personen sollte man es doch ermöglichen, ein E-Book mit all seinen Vorteilen zu genießen und es lesen zu können, wie, wann und wo sie wollen.

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