Kap. 7 bis 11 / Seite 116-212
30. Oktober 2011 von Klappentexterin
In diesem Abschnitt hat für mich die anfängliche leichte Spannung ein bisschen nachgelassen. Sicherlich liegt es auch daran, dass ich mich warm gelesen habe. Dies war zunächst mein erster Eindruck, doch wenn ich mir die Kapitel 7 bis 11 genau betrachte, passiert hier wieder einiges, was meinen Kopf durcheinander bringt. Die Spannung ist noch anwesend, nur in einer anderen Form.
Haruki Murakami bringt seltsame Dinge ans Tageslicht, die mir an manchen Stellen sogar ein Gänsehaut bescheren wie beispielsweise am Ende des 8. Kapitels, als Aomame ihre Hand auf den Bauch legt, dort drinnen etwas Lebendiges spürt und „Daughter“ sagt. Das darauffolgende „Mother“ ist unheimlich, geradezu gruselig.
Damit wären wir auch schon bei der ersten Frage:
1. Aomame ist schwanger, obwohl es rein biologisch unmöglich ist, wie sie der alten Dame am Telefon berichtet. Was ist passiert?
Haruki Murakami verlässt in der Passage die normale Welt und entführt mich in eine Welt jenseits der Realität. So abstrus es auch klingen mag, glaube ich, dass Aomame schwanger ist und ein Zusammenhang zur den Vorreitern besteht. Sie selbst vermutet den Zeitpunkt der Befruchtung an dem Abend, als sie den Leader umgebracht hat. Der Verstand in mir hämmert dagegen und fragt: Nur wie? Und was? Und wie kommt Tengo ins Spiel, von dem sie ausgeht, dass er der Vater des Kindes ist? Leider kann ich auf die Fragen keine Antworten geben, aber vielleicht ihr?
2. Tengos Bekanntschaft mit der Schwester Adachi finde ich beim weiteren Fortschreiten der Nacht rätselhafter. Vieles weiß sie aus dem Buch „Die Puppe aus Luft“ und doch erzählt sie unheimliche Dinge, von denen eine normale Leserin nichts wissen kann. Entspringen diese Tatsachen aus dem vernebelten Kopf einer jungen Frau, die Haschisch geraucht hat? Verlassen Kumi Adachi und Tengo dadurch den wirklichen Raum und finden sich geistig schwebend woanders wieder?
Weil bei Murakami immer alles eine Bedeutung hat, glaube ich, dass Kumi Adachi eine nicht ganz unwichtige Rolle einnimmt, vielleicht agiert sie sogar als Botschafterin. Interessant finde ich den Aspekt, dass sie genau weiß, was es mit der “Puppe aus Luft” auf sich hat, auf die Tengo so vergeblich bei seinem Vater wartet. Darüber hinaus spricht sie von der eigenen Wiedergeburt und verwirrt mich, dass ich mich am Ende frage: Wer oder was ist Kumi Adachi? Einfach nur eine Krankenschwester mit viel Phantasie? Oder jemand anderes?
3. Jetzt noch eine Frage zu Aomame. Seit sie im Versteck lebt, hat sie zum ersten Mal deutliche und realistische Träume. Was hat es damit wohl auf sich?
Aomame stellt ja selbst den Zusammenhang zu der anderen Welt her, in der sie lebt und findet sich damit ab. Während sie darüber nachdenkt, rücken ihre Morde in den Vordergrund und sie spricht von einer Verantwortung, die sie zu tragen hat. Meint ihr, dass ist die Antwort auf die Frage? Oder steckt noch was anderes dahinter?




Liebe Simone,
danke für deine Mühe, da hast du wieder schöne Fragen ausgesucht!
1. Bei Murakami passiert ja vieles, was eigentlich nicht möglich ist. Von daher ist die Schwangerschaft ja auch nichts Unerwartbares. Mir gefällt das Thema aber irgendwie nicht, da es gerade im Zusammenhang mit den Vorreitern so etwas Religiöses bekommt.
2. Ich werde aus Kumis Erklärungen irgendwie nicht schlauer. Aber trotzdem löst sie Fukaeri als meine Lieblingsperson ab. Die Szene ist wirklich toll gemacht und hat in mir zum ersten Mal ein richtig unheimliches Gefühl ausgelöst.
3. Zu dieser Passage kann ich auch wieder recht wenig sagen. Wenn ich es im Nachhinein betrachte, hat mir dieser Part bei Aomame gar nicht gefallen. Aber die Träume scheinen eine unterbewusste Auseinandersetzung mit ihre Ich zu sein, die sie darauf vorbereiten, was sie zu tun hat.
Pingback: „Alles hat eine Bedeutung bei Murakami!“ | Literaturkosmos
Ich habe mich euren drei Fragen für meinen heutigen Eintrag in mein Murakami-Lesetagebuch bedient!
http://literaturecosmos.wordpress.com/2011/10/30/bedeutung-murakami/