Auf Deutsch, Fukushima, Japan, 福島原発

Wie schlimm ist die Lage in Fukushima wirklich?

In einem Artikel auf BBC News schrieb Matt McGrath, dass die Lage in Fukushima noch schlimmer ist, als sie von TEPCO und der Regierung dargestellt wird. Auch ohne ein Experte für Atomkraft zu sein, gibt es logische Gründe, die diese Einschätzung sehr wahrscheinlich machen.

Wie vertrauenswürdig ist TEPCO?

Am Anfang steht die Frage, inwiefern man den Aussagen von TEPCO und der Regierung trauen kann. Dass TEPCO nur wenig vertrauenswürdig ist, dürfte inzwischen wohl allen klar sein. Schon vor dem 11. März 2011 gab es eine Reihe von Skandalen. Und auch die Kernschmelzen in Fukushima sind auf Pfusch zurückzuführen: Hätte TEPCO das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi stärker abgesichert wie etwa das weiter nördlich an der Küste gelegene Kernkraftwerk Onagawa von Tôhoku Electric Power, hätte der Unfall nicht so schlimm ausfallen müssen. Dass aufgrund mehrerer großer Tsunami in der Vergangenheit jederzeit wieder ein Tsunami zu erwarten war, war bekannt.

Wie vertrauenswürdig ist die Regierung?

Auch die Regierung hat infolge der Ereignisse um den 11. März an Vertrauen verloren. Zwar kritisierte die Regierung TEPCO immer wieder für ihr Verhalten, allerdings lassen sich schnell auch Kritikpunkte am Verhalten der Regierung finden:

  • verspätete Evakuierungsanweisung [1]
  • keine Freigabe von notwendigen Daten zur Verbreitung von Radioaktivität, obwohl die Regierung über ein Notfall-Vorhersagesystem verfügt („SPEEDI“) [1]
  • zu optimistische Einschätzung der Lage, in Zusammenhang damit Verharmlosung der Gefahr durch radioaktive Strahlung mit der Formel „es gibt keinen direkten Einfluss auf die Gesundheit“ [2]

Dieses Verhalten erklärt sich aus der engen Verknüpfung von Regierung und Atomlobby in Japan. Nach wie vor ist die japanische Regierung pro Atomkraft eingestellt und auch die aktuelle Regierung unter Abe wird von diesem Kurs wohl nicht abweichen.

Wer hat aus Fukushima etwas gelernt?

Dass TEPCO aus Fukushima was die Kommunikationsstrategie angeht wenig gelernt hat, zeigt auch ein recht aktueller Vorfall: So hatte im März 2013 eine Ratte einen Stromausfall in Fukushima Daiichi ausgelöst. TEPCO hatte dies erst mit 3-stündiger Verspätung an die Regierung weitergegeben. Von den drei Websiten der Tageszeitungen Yomiuri Shinbun, Asahi Shinbun und Mainichi Shinbun hob übrigens nur ein Artikel der Asahi Shinbun diese verspätete Meldung an die Regierung hervor.

Das Verhalten von TEPCO und auch das Verhalten der Regierung in der Vergangenheit machen beide wenig vertrauenswürdig. Besonders die „Salami“-Taktik, Informationen Stück für Stück zu veröffentlichen und zunächst optimistisch vom besten Fall auszugehen, war eine Strategie, die TEPCO wohl trotz vieler Entschuldigungen auch heute noch nicht abgelegt hat. Die Regierung überlässt TEPCO trotz allem weiterhin die Arbeiten und Messungen am Atomkraftwerk – darauf ist sie wohl auch angewiesen, denn wer sollte diese Arbeiten sonst machen.

Dass TEPCO erst jetzt ein Leck entdeckt, dass seit über 2 Jahren besteht ist wohl ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Informationspolitik nicht ändern wird. In Verbindung damit, dass Fukushima Daiichi noch längst nicht vollständig unter Kontrolle ist und dass das Problem mit den großen Massen an radioaktivem Kühlwasser, die auf dem Gelände liegen, nicht gelöst ist, ist zu erwarten, dass noch weitere schlechte Nachrichten von TEPCO kommen. Aufgrund des bisherigen Verhaltens von TEPCO ist aber zu erwarten, dass diese nicht dann kommen, wenn das Problem akut ist, sondern wenn es sich nicht weiter verbergen lässt.

Verweise

[1] Hizumi, Kazuo & Ryuichi, Kino (2012). 福島原発事故記者会見。東電・政府は何を隠したのか [Pressekonferenzen zum Atomkraftwerk Fukushima. Was haben TEPCO und die Regierung vertuscht?] Tôkyô: Iawanamishoten.

[2] Itô, Mamoru (2012). レビは原発事故をどう伝えたのか [Wie hat das Fernsehen über den Atomunfall berichtet?] Tôkyô: Heibonsha.

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2 thoughts on “Wie schlimm ist die Lage in Fukushima wirklich?

  1. Chihiro Asakawa says:

    Fukushima, Tepco, der Unfall der AKW s sind total schlimm, aber wir haben ganz wenige Informationen darüber. Vor allem , die japansiche Regierung und die Behörde für Atomkraftwerk haben uns nicht echte Informationen gegeben, denke ich. Auf einer Seite behaupten einige Japaner, dass die Lage der AKWs ganz schlecht ist und das Lebensmittel auch sehr gefährlich ist. Auf ander Seite sagen viele Japaner, dass die Lage nicht sehr schlecht ist. Leider demonstrieren nicht viele Menschen gegen AKW , in letzter Zeit. Wir vergessen nach und nach die ehemalige (jetzige auch)schlimme Situation der AKWs.

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