Japan

2 Jahre Fukushima – „原発ゼロ☆大行動“-Demo in Tôkyô

Am 11.03.2013 jährt sich der Atomunfall von Fukushima nun schon zum zweiten Mal. Welche Protestveranstaltungen gibt es dazu in Japan?

Unter dem Motto 原発ゼロ☆大行動 – Große Aktion zum Atomausstieg finden unter der Organisation der Metropolitan Coalition against Nukes, einem Zusammenschluss aus Anti-Atomgruppen des Hauptstadtgebietes – mehrere Protestveranstaltungen rund um die Ministerien und Sitze der Stromkonzerne in Tôkyô statt.

Live bei den Protesten dabei zu sein ist eigentlich ganz einfach, denn das Iwakami Yasumi Independent Web Journal (IWJ) streamt auf 8 Kanälen. Die Kanäle findet ihr direkt auf der Startseite von IWJ, was sie zeigen habe ich aber noch einmal übersetzt (Zeitangaben nach japanischer Zeit):

  • Ch1: Luftaufnahmen der Proteste (ca. 21:00 Uhr)
  • Ch2: Versammlung vor TEPCO und dem METI (13:00 Uhr)
  • Ch3: Proteste vor MEXT und dem Finanzministerium (ca. 15:00 Uhr)
  • Ch4: Protest im Gebiet vor dem Amtssitz des Premiers
  • Ch5: Protest vor dem Parlament und (ca. 17:00 Uhr)
  • Ch6: Protest vor J-Power und dem Außenministerium (15:30 Uhr)
  • Ch7: Demo (keine genauere Beschreibung, 14:00 Uhr)
  • Ch8: Peace on Earth Bühne (12:00 Uhr)

Es ist möglich, bei UStream direkt mit dem Twitter-Account zu kommentieren. Der Tweet erscheint dann auch in der Timeline mit dem Hashtag #iwakamiyasumi und der Sendernummer, also beispielsweise bei Kanal 2 #iwakamiyasumi2.

Für Fotos und kurze Kommentare direkt bei Twitter empfehle ich außerdem folgenden Accounts:

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Japan

Japan, das Atomdorf und Ôi

In Japan arbeiten, so könnte man es freundlich ausdrücken, Regierung und Atomwirtschaft eng zusammen. Aber wie sieht das eigentlich konkret aus? Uiko Hasegawa von der NGO e-みらい構想 beschreibt das am Beispiel des Kernkraftwerks Ôi (gegen dessen Wiederanfahren der Reaktoren es im Sommer heftige Proteste gab) genauer.

In der Stadt Ôi wurde nach Hasegawa von Anfang an eine oppositionelle Stimme unterdrückt – durch das richtige Zusammenspiel von Subventionen, Unterdrückung und einem „wirtschaftlichen Effekt“.

1. Subventionen

町の年間予算は約一〇〇億円。このうち役六〇億円が原子力発電所関連交付金で、実に予算全体の六割を占める。(Hasegawa 2012: 45)

60% des Jahresetats der Stadt sind Subventionen in Verbindung mit dem Kernkraftwerk. 60% von 10.000.000.000 Yen. Umgerechnet wären das zwar nur noch rund 85.000.000 Euro, aber immerhin noch eine ordentliche Summe. Eine Quelle für diese Angabe nennt Hasegawa im Text nicht.

2. Wirtschaftlicher Effekt

また、町には家族経営の小さな民宿が多数存在するが、宿泊客はの多くは原子力発電所で働く作業員、また定期検査の時に出稼ぎに来る作業員である。(Hasegawa 2012: 44)

Der wirtschaftliche Effekt für die Bewohner ist natürlich am offensichtlichsten. Es gibt viele Menschen, die im Kernkraftwerk oder Subunternehmedamit verbundenen Unternehmen arbeiten. Die lokale Wirtschaft wiederum profitiert von den vielen Arbeitsstellen. Ein konkretes Beispiel, das Hasegawa nennt, sind die Pensionen, in denen die Wanderarbeiter des Atomkraftwerkes übernachten.

3. Unterdrückung

飯原発三、四号機増設の時は、小浜市民の会が反対デモを行ったのですが、人口八〇〇〇人あまりの小さな旧大飯町に、ジェラルミン(ママ)の盾を持った機動隊が一五〇〇人、機動車が四一数台、制服の警官と和服の公安が合わせて一九〇〇人も押しかけました。

(Nakajima 2012, zit. n. Hasegawa 2012: 45)

Hasegawa greift hier auf die Schilderungen des Priesters Nakajima zurück, der von einer Anti-Atomdemonstration gegen den Bau der Blücke 3 und 4 vor inzwischen rund 40 Jahren berichtet. Nach Nakajimas Erzählungen kam in die Stadt mit damals 8.000 Einwohnern ein Polizeiaufgebot an 1.500 Bereitschaftspolizisten.

Insgesamt drei interessante Fakten, die an der einen oder anderen Stelle noch mit weiteren Quellen ergänzt, belegt und bekräftigt werden könnten. Sicher werde ich hier bei meiner Lektüre in den kommenden Wochen noch mehr dazu finden. Wer jetzt neugierig geworden ist: Zu diesem Themenkomplex hat die der Anti-Atombewegung nahestehende Zeitschrift People`s Plan eine Ausgabe mit dem Themenkomplex Gesellschaft nach 3/11herausgebracht, aus der auch der oben zitierte Aufsatz stammt.

Quellen:

Hasegawa, Uiko (2012): 再稼働を止めるために. 新しいデモと地元との対話. People`s Plan 58, 40-48.
Nakajima, Akira (2012):「原発のある地域から___第1回中島哲演さんに聞いた」. Magazin 9 (25.4.2012)

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日本語で

大晦日にBerlinerを食べる

Berlinerとはママレードが入れて揚げて丸い菓子のことです。一般的にBerlinerは年間を通じて売られていますが、大晦日には特のBerlinerを買うことができます。ママレードのかわりに、そのBerlinerの中にはマスタードが入れた。大晦日に、例えば家族のため、Berlinerを6個買うと、その中の5個はママレードのBerlinerで、1個はマスタードのBerlinerです。Berlinerの中には見えませんから、誰がマスタードのBerlinerをくれるのは知りません。大変ですね!そして、どうしてその習慣をしていますか?私はもともとの原因をわかりませんが、おかしいと思います。ママレードのBerlinerをくれた人は齧り付くの時びっくりするんです。もちろん、あの人は後にママレードのBerlinerをも1個くれます。

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Japan

Kenzaburo Ôe, der Mitläufer!

Eigentlich ist die taz ja die Zeitung, der ich am ehesten zutrauen würde, dass sie sich angemessen mit dem Anti-Atomprotest in Japan auseinandersetzt. Während ich aber für eine wissenschaftliche Arbeit recherchiert habe, habe ich aber leider mal wieder ein Haar in der Suppe gefunden:

„Auch Nobelpreisträger Kenzaburo Oe oder der Komponist Ryuichi Sakamoto, der die Melodie für den Film ,Der letzte Kaiser‘ komponierte, schlossen sich der Bewegung an.“ (http://www.taz.de/!96456/)

Kenzaburo Ôe schließt sich der Bewegung an? Eher andersherum, denn Ôe ist schon seit Jahrzehnten ein Gegner der Atomkraft (da war ja auch schon einmal etwas mit Atombomben und so…). Mit Therapiestation hat er zum Beispiel in den 90ern einen dystopischen Roman geschrieben, der das Leben auf einer nach Atomkriegen zerstörten Erde schildert.

Und einen weiteren Beweis, dass Ôe vorher schon aktiv war, habe ich außerdem noch: Schon ein Jahr zuvor, am 19.9.2011, war er bei der Demo im Meiji-Kôen (明治公園) Mitorganisator!

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Bücher

Frankfurter Buchmesse 2012 – ein Bericht für Bibliophile

Vom 12. bis 13. Oktober war auch ich auf der Frankfurter Buchmesse. Ich habe neue Apps und Programme bewundert, die das Lesen und Publizieren von Texten einfacher machen sollen, an Informationsveranstaltungen für den Nachwuchs teilgenommen (wie etwa der Führung “Enhanced Future” der Jungen Verlagsmenschen) und wie immer viele neue Leute kennengelernt.

Wenn zwischendrin noch Zeit war, bin ich durch die Hallen gestreift und habe Fotos geknipst. Ich war auf der Suche nach schön gestalteten Büchern, gemütlichen Ständen und besonderen Bucharrangements.

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An den japanischen Ständen war das Fotografieren nicht überall erlaubt.

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Schön arrangiert in Dunkelblau und Pink.

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Am Stand von Thienemann war “Der Räuber Hotzenplotz” ganz präsent.

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Statt vieler Bücher an der Wand ein großes Bild vom “Mann im Mond”.

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Eine gemütliche Atmosphäre und – auf dem Bild nicht zu sehen – dazu Lesesessel, die zum Verweilen einladen.

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Der Diogenes-Stand glänzt mit seinen Büchern natürlich vor allem strahlend-weiß, hat aber auch ein paar schöne Farbkleckser dazwischen.

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Büchertisch zum Erkunden.

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Die Bücherwand von Droemer Knaur ist wahrscheinlich jedem aufgefallen, der auch auf der Buchmesse war.

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Bücher

Ich habe das perfekte E-Book gefunden!

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Nicht inhaltlich, sondern eher technisch. Das E-Book habe ich direkt bei A Book Apart, einem Magazin, das ich sowieso gerne lese, heruntergeladen. Es ist keine Registrierung notwendig und die Zahlung geht ganz einfach per Kreditkarte oder Pay Pal.

Danach kann ich das Buch direkt herunterladen, der Link zum Download bleibt eine Woche bestehen. Es stehen verschiedene Formate zur Auswahl.

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Was mich natürlich am meisten begeistert ist, dass ich das E-Book mit Read Mill öffnen kann. Read Mill bietet die Möglichkeit, ein E-Book nicht nur zu lesen, sondern auch Markierungen und Anmerkungen vorzunehmen und Zitate zu teilen – und das in einer übersichtlichen, schön gestalteten App.

Ein weiterer Vorteil: Dieses Buch ist ein Sachbuch, das ich immer mal wieder brauche. Bei Belletristik ist das anders. Habe ich einen Roman beendet, kann ich den beruhigt ins Regal stellen. Aber Sachbücher brauche ich immer wieder, an ganz verschiedenen Orten. Praktisch, dass ich es jetzt sogar mit auf die Arbeit nehmen und jederzeit etwas nachschlagen kann. Wenn es also möglich ist, dann greife ich bei Sachbüchern jetzt nur noch zum E-Book!

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Bücher

Das Hörbuch als Buch-Ersatz?

Zum ersten Mal richtig aufgefallen ist es mir bei Nina von Libromanie: Bei den Lesestatistiken im Januar, Februar und März stehen fast so viele Hörbuchtitel wie Bücher. Auch ich greife oft zum Hörbuch, wenn es möglich ist, denn Hörbücher kann man immer dann hören, wenn keine Zeit zum Lesen bleibt: In der Bahn, beim Kochen, bei der Hausarbeit.

Vorteile von Hörbüchern

Dass ich meine Hörbücher praktisch überall mit hinnehmen kann und dass sie mir lange Wartezeiten verkürzen und kurze Zwischenpausen überbrücken, das ist ein unschlagbarer Vorteil. Noch dazu sind Hörbücher recht günstig verfügbar – entweder für 9,99 € im Abo bei audible.de oder aber ganz umsonst aus der Stadtbibliothek. Hier habe ich auch keine Rückgabefrist, denn ich kann mir die Hörbücher so lange auf meinem Ipod speichern, bis ich sie ausgehört habe.

Ein weiterer Vorteil für mich: Hörbücher kann ich auch hören, wenn mir nach langer, anstrengender Bildschirmarbeit die Ohren schmerzen. Im Gegensatz zum Buch kann ich mein Hörbuch auch mit jemandem gemeinsam hören. Zwar interessiert sich mein Freund beispielsweise für die meisten Hörbücher, die ich höre nicht wirklich, aber als ich neulich „Per Anhalter durch die Galaxis“ mitgebracht habe, hat er auf einmal ganz gebannt zugehört.

Bei so vielen Vorteilen könnten Hörbücher doch eigentlich das Buch ersetzen, oder? Für eine kurze Zeit, am Anfang, wenn die Faszination für das neue Medium am größten ist, tun sie das vielleicht auch. Langsam kommen mir aber auch erste Ermüdungserscheinungen.

Stapel von Hörbüchern

Nachteile von Hörbüchern

Lesen und Hören sind ganz unterschiedliche kognitive Aktivitäten. Und das merkt man auch beim Hörbuch: Es nimmt mich bei Weitem nicht so stark gefangen wie ein Buch. Oft schweife ich gedanklich sogar ab. Dabei würde ich das Hörbuch, wäre es ein Buch, sicher ganz aufmerksam lesen. Woran liegt es also, dass mir Hörbücher immer eine Spur langweiliger vorkommen als „richtige“ Bücher?

Klaus Weimar beschreibt in einem Aufsatz(1) die Technik des Lesens als ein „zu sich selbst sprechen in fremdem Namen“. Indem wir einen Text lesen, lesen wir ihn uns selbst in unserem Kopf vor. Bei Kindern, die gerade lesen lernen, kann man dies oft noch direkt beobachten, wenn sie sich den Text laut vorlesen, um seine Worte über das Ohr zu erfassen.

Liest mir aber ein Vorleser ein Buch vor, muss ich mich an seine Stimme, seinen Sprachrhythmus, seine Geschwindigkeit anpassen. Bei manchen Autoren stört mich deren Vorlesegeschwindigkeit sehr, zum Beispiel liest mir Andrea Sawatzi „Flavia de Luce“ viel zu schnell vor.

Einen Hörbuchautor kann ich zwar bitten, kurz anzuhalten, anders als einem Vorleser kann ich ihm aber keine Fragen stellen oder ihm vorschlagen, sein Lesetempo etwas zu drosseln. Und das entscheidenste: Ich kann nicht bei einem Satz verweilen, den ich für wichtig halte. Oder habt ihr bei einem Hörbuch schon einmal den Versuch unternommen, nach einem bestimmten Satz zu stoppen und ihn erneut abzuspielen? Unmöglich, selbst die Kapitelanwahl ist ja nicht immer eindeutig!

Fazit

Ein Hörbuch bleibt für mich also immer ein Zwischendurch-Buch. In diesen Momenten, also unterwegs und bei Hausarbeiten habe ich viel Freude daran, dass es Bücher auch in dieser Form gibt. Und wenn ich müde bin, dann freue ich mich, wenn mir einer meiner Lieblingssprecher ein Buch vorträgt. Möchte ich mich mit den Inhalten aber tiefgehender auseinandersetzen, dann greife ich doch lieber auf die Buchausgabe zurück.

(1): Weimar, Klaus (1999): Lesen. Zu sich selbst sprechen in fremden Namen. In: Bosse, Heinrich / Renner, Ursula (Hrsg.): Literaturwissenschaft. Einführung in ein Sprachspiel.

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