Crossdomain-Tracking in Google Analytics einrichten

Lesezeit: 6 Minuten

Ihr kennt es sicher aus eurem Online-Marketing-Alltag: Es wird eine hübsche Microsite oder aufwändige Kampagnenseite unter einer neuen URL erstellt. Der Traffic wird mit viel Aufwand und Budget auf diese Seite gelenkt. Es wird ein eigenes Tracking eingerichtet und wir sehen, dass 1.000 Besucher zu dieser Seite kamen und sich im Schnitt 3 Minuten und 23 Sekunden aufhielten. Nur haben die Besucher dann auch tatsächlich noch bei euch im Webshop etwas gekauft? Das lässt sich nur schwer sagen.

Ihr kennt es sicher aus eurem Online-Marketing-Alltag: Es wird eine hübsche Microsite oder eine aufwändige Kampagnenseite unter einer neuen URL erstellt. Der Traffic wird mit viel Aufwand und Budget auf diese Seite gelenkt. Es wird ein eigenes Tracking eingerichtet und wir sehen, dass 1.000 Besucher zu dieser Seite kamen und sich im Schnitt 3 Minuten und 23 Sekunden dort aufhalten. Nur haben die Besucher dann auch auf den großen roten Button geklickt, sind zu eurem Webshop gelangt und haben das beworbene Produkt tatsächlich gekauft?

Das lässt sich nur schwer sagen. Schickt ihr Besucher nämlich von einer zu einer anderen Domain, geht die Surfhistorie des Nutzers verloren.

Ein Praxisbeispiel

Die Firma X verkauft Blumentöpfe. Zur Frühjahrssaison launcht Sie die Microsite Blumentopfberater, auf der man sich interaktiv beraten lassen und zu seinem Wunschblumentopf finden kann. Ist der richtige Blumentopf gefunden, wird man zum Blumentopfshop weitergeleitet.

Ein Screenshot
Über Google Adwords landet der künftige Kunde auf der Microsite und gelangt von da aus in den Shop Bild Vergrößern

Damit der Blumentopfberater auch so richtig genutzt wird, schaltet die Firma Werbung: Auf Facebook und über Google Adwords.

Die Auswertung der Landingpage mit Google Analytics zeigt nun, wie viele Besucher über die Werbung über Facebook und Adwords zum Blumentopfberater kamen:

300 Besucher über Facebook
200 Besucher über Google Adwords

Aber wer davon hat jetzt gekauft und welcher Kanal war effektiver?

Das kann man nicht direkt sehen, denn beim Wechsel von der Domain blumentopfberater.xyz zum blumentopfshop.xyz wechselt der Besucher die Domain – seine Surfhistorie geht damit verloren!

Eine kleine Abhilfe gibt es: Im Google-Analytics-Konto des Blumentopfshops kann man sich nun alle Besucher anschauen, die von der Quelle Blumentopfberater an den Shop weitergeleitet wurden (sogenannte Referrals von blumentopfberater.xyz): Nun wird klar, dass es 10 Verkäufe und 100 Besucher über den Blumentopfberater gab.

Waren die 10 Käufer aber nun Kunden, die über Facebook oder Google Adwords akquiriert wurden? Das lässt sich leider nicht mehr sagen – und deshalb benötigen wir ein domainübergreifendes Tracking.

Tracking einrichten mit Google Analytics: Die Grundlagen

In der Google-Hilfe gibt es eine Anleitung für domainübergreifendes Tracking, allerdings ist dieses bisher recht knapp gehalten und wenig bebildert. Da die Einrichtung heikel ist, da ihr euch damit schnell eure Analytics-Daten verunreinigen könnt, habe ich hier meine Einrichtung dokumentiert.

Als Beispiel verbinde ich meine eigenen Domains japanliteratur.net und krempin.it, wobei japanliteratur.net die primäre Domain mit einer Datenproperty ist, die ich nun auch für krempin.it öffne. Oder verständlicher: Dem Google-Analytics-Konto von japanliteratur.net wird die Domain krempin.it hinzugefügt.

Die Einrichtung erfolgt in diesen Schritten:

1. Trackingcode erweitern

Als erstes müsst ihr den bestehenden Trackingcode erweitern. Die beste Anleitung hierzu hat Google selbst. Bei mir sieht die Erweiterung dann für die beiden Domains jeweils so aus:

Für den Code bei japanliteratur.net

  ga('create', 'UA-XXXXXXX', 'auto', {'allowLinker': true});
  ga('require', 'linker');
  ga('linker:autoLink', ['krempin.it'] );

Für den Code bei krempin.it

  ga('create', 'UA-XXXXXXX', 'auto', {'allowLinker': true});
  ga('require', 'linker');
  ga('linker:autoLink', ['japanliteratur.net'] );

2. Ausschluss der sekundären Domain hinzufügen

Nach dieser Codeerweiterung wird sich in euren Daten aber noch nichts verändern. Damit das Tracking funktioniert, müsst ihr zunächst die sekundäre Domain aus den Verweisen ausschließen. Standardmäßig ist der Verweis nur für die primäre Domain eingerichtet. Solange die sekundäre Domain nicht ausgeschlossen wird, behandelt Google sie deshalb weiterhin als Verweisdomain und kann die Benutzerprofile der beiden Seiten nicht verbinden.

Übersicht über die ausgeschlossenen Domains
Zu den ausgeschlossenen Domains gelangt ihr über Verwaltung -> Property -> Tracking-Informationen -> Verweis-Ausschlussliste Bild Vergrößern
Sekundäre Domain eintragen
Hier gebt ihr dann einfach die sekundäre Domain (ohne http und www) ein Bild Vergrößern

3. Ein erster Test

Um zu testen, ob die Einrichtung des Trackingcodes funktioniert hat, solltet ihr

  • Überprüfen, ob der Code im Quelltext vorhanden ist
  • In Google Analytics im Menüpunkt „Echtzeit“ das Recording testen:

Ruft dazu eine beliebige Unterseite auf der einen und eine weitere Unterseite auf der anderen Domain auf. Nun müssten wie im Screenshot unten beide Seiten angezeigt werden – in diesem Beispiel ist das einmal http://japanliteratur.net/kanji-flashcards-von-white-rabbit-press/ (primäre Domain) und einmal http://krempin.it/mehr-traffic-mit-pdf-leseproben/ (sekundäre Domain).

Ein Screenshot
Ob das Tracking richtig eingerichtet ist, kann in dem Live-Bericht von Analytics direkt überprüft werden Bild Vergrößern

Wichtig außerdem: Die sekundäre Domain darf nicht mehr als Trafficquelle auftauchen. Taucht sie weiterhin auf, werdet ihr nur die URLs der primären Domain sehen. Die sekundäre Domain muss in dem Fall wie oben beschrieben also noch ausgeschlossen werden.

4. Filter für absolute URLs anlegen

Wer sich das Beispiel oben genau angesehen hat, wird bemerkt haben, dass es mit dem Zusammenführen der beiden Domains nun aber ein Trackingproblem gibt: Woher weiß ich, wenn ich sie nicht selbst erstellt habe, welche Seite zu welcher Domain gehört? Und was mache ich bei Seiten mit doppeltem Namen (z.B. /impressum/ auf sowohl japanliteratur.net als auch krempin.it)?

Hierzu muss ein Filter über die Datenansicht gelegt werden, der vor die relativen Pfade die Domain setzt, sodass wir nachher URLs erhalten wie:

japanliteratur.net/kanji-flashcards-von-white-rabbit-press/

statt

/kanji-flashcards-von-white-rabbit-press/

Achtung: Wird ein Filter über eine Datenansicht gelegt, ist dies unumkehrbar. Der Filter beginnt erst zu messen, wenn ihr ihn einrichtet und hört erst auf zu messen, wenn ihr ihn löscht. Die Daten während der Messung sind durch den Filter unwiderruflich durch beeinflusst und können nicht wieder in den „Rohzustand“ zurückversetzt werden. Richtet deshalb am besten eine neue Datenansicht ein, in der ihr die Filter anwendet. Die alte Datenansicht lasst ihr so bestehen. Dies geht im Menüpunkt „Verwalten“:

Datenansichten
Datenansichten in Google Analytics verwalten Bild Vergrößern

Nun könnt ihr unter Verwalten – Datenansicht – Filter für die neu eingerichtete Datenansicht einen Filter anlegen: Nach der Anleitung von Google sieht das dann so aus:

Datenansichten
Den Filter für die neue Datenansicht legt ihr wie in diesem Screenshot gezeigt an Bild Vergrößern

5. Filter für absolute URLs testen

Um den Filter zu testen, geht ihr in Google Analytics einfach wieder ins Echtzeit-Tracking – die Domain wird nun schon mitgeschrieben:

Datenansichten
Der Live-Test in Google-Analytics Bild Vergrößern

Lasst nun zur Vorsicht noch einmal einen oder auch mehrere Tage vergehen und schaut euch die neuen Daten dann noch einmal an.

Je nachdem, wie ausgebaut und gefiltert eure Datenansicht ist, müsst ihr unbedingt noch weitere Umstellungen vornehmen, damit das Tracking weiterhin sauber läuft:

6. Conversion-Tracking anpassen

Beim Conversion-Tracking habt ihr eine URL hinterlegt, um die Conversion-Rate zu berechnen. In der Regel ist das die Danke-Seite, die der Kunde nach Durchführung der Bestellung erreicht. Wird die Seite besucht, wird eine Conversion gezählt. Da nun der neue Filter greift, der die Domain vollständig ausgibt, müsst ihr auch hier die Seite anpassen (alternativ könnt ihr auch einen regulären Ausdruck verwenden, falls ihr das lieber tut, die vollständige, exakte Domain anzugeben, ist meiner Ansicht nach aber sicherer).

Datenansichten
Conversion Funnel-Einstellungen in Google Analytics Bild Vergrößern

Bitte auch daran denken: Wenn ihr einen Conversion-Trichter / Funnel verwendet, müssen auch hier die Seiten umbenannt werden!

7. Filter anpassen

Dasselbe gilt natürlich auch für Filter. Filtert ihr eine bestimmte Seite und sucht wie in dem Beispiel im Screenshot nach der Seite /warenkorb, wird der Filter diese nicht mehr finden, sondern eine Umbenennung in primaeredomain.de/warenkorb ist notwendig.

Datenansichten
Mit dem Suchen-Ersetzen-Filter können Seiten umbenannt werden, damit es bei zwei Domains mit dem gleichen Namen keine Doppelungen gibt Bild Vergrößern

Sobald allerdings mehrere Filter auf einer Datenansicht liegen, wird die Umbenennung heikel und fehleranfällig. Aber es gibt einen kleinen Trick, mit dem ihr euch die Arbeit erleichtern könnt: Nutzt den Mechanismus, mit dem Google Filter einsetzt.

Google wendet die Filter in der Reihenfolge an, in der sie auf der Filterübersicht eingetragen sind. Zuerst also den Filter an Position 1, dann an Position 2. Fügt ihr den Filter, der absoluten URLs anzeigt, als letztes hinzu, so werden zunächst alle eure bisherigen Filter angewendet – und diese funktionieren ja auch wie bisher – und erst am Schluss wird die URL umgewandelt!

Datenansichten
Die richtige Reihenfolge der Filter Bild Vergrößern

Pro und Kontra des domainübergreifenden Trackings

Wenn euch diese Anleitung noch nicht abgeschreckt hat und ihr nun ernsthaft überlegt, das domainübergreifende Tracking einzurichten, helfen euch zum Schluss vielleicht noch diese Pro- und Contra-Argumente weiter.

Pro

  • Endlich können die Wege des Besuchers auch über mehrere Domains hin erfasst werden
  • Filter ermöglichen es, die Domains trotz allem weiterhin auch einzeln betrachten zu können (dieser Punkt wird in dieser Anleitung nicht erklärt)
  • Das Tracking eignet sich dafür, beliebig viele Domains zu verknüpfen – damit ihr saubere Daten habt, solltet ihr die Verknüpfung aber nur für die Domains vornehmen, über die ihr selbst die Kontrolle habt

Contra

  • Die Einrichtung muss mit großer Sorgfalt durchgeführt werden, insbesondere bei den Filtern solltet ihr aufpassen – und euch damit auch schon auskennen
  • „Bruch“ im Datenbestand: Dadurch, dass den Seiten Hostnamen gegeben werden (meinedomain.de davor gesetzt wird), habt ihr vom Tag der Umstellung an zunächst erstmal zwei Einträge: /unterseite/ (für alle Einträge bis zur Umstellung) und meinedomain.de/unterseite (für alle Einträge ab der Umstellung) für dieselbe Unterseite

Hinweis

Die Anwendung der Anleitung erfolgt natürlich auf eigenen Gefahr. Da die Daten unwiderruflich umgeschrieben werden, solltet ihr alles immer erst auf einer Entwicklungsumgebung testen.

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Autorin: Friederike

Hallo, ich bin Friederike. Ich entwickle Websites und schreibe auf krempin.it darüber. Außerdem mag ich Japanische Literatur und Retro-Videospiele.